Assoziation zwischen einer Anti-Inflammations-Diät und Parodontitis bei 50 bis 78-Jährigen Frauen in der Hamburg City Health Study
Hintergrund
Hormonelle Veränderungen und Entzündungsreaktionen, die durch die Wechseljahre verursacht werden, können das Risiko von Gesundheitsproblemen, einschließlich der Mundgesundheit, erhöhen. So zeigt die Forschung, dass mehr als ein Drittel aller postmenopausalen Frauen orale Symptome aufweisen. Studienergebnisse zeigen außerdem, dass Frauen in den Wechseljahren anfälliger für Parodontitis sind. Parodontitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, bei der pro-inflammatorische Zytokine freigesetzt werden. Ein wesentlicher Faktor für die Bewältigung allgemeiner Beschwerden während der Wechseljahre und für den Erhalt einer guten parodontalen Gesundheit ist die Ernährung. Ziel dieser Querschnittsstudie war es, den Zusammenhang zwischen einer Anti-Inflammations-Diät (Anti-Inflammatory Dietary Score) und dem Auftreten von Parodontitis bei 50 bis 78-Jährigen Frauen in Hamburg, Deutschland, zu untersuchen.
Methoden
Es wurden Daten von n=2905 Frauen im Alter von 50-78 Jahren aus der Hamburg City Health Study (HCHS) ausgewertet. Die parodontale Untersuchung umfasste Clinical Attachment Loss (Taschensondierungstiefe und Rezessionen) und Bleeding on Probing. Als Schlüsselvariable diente ein Biomarker assoziierter Ernährungsscore, der Anti-Inflammatory Dietary Score, der innerhalb der HCHS entwickelte wurde. Höhere Punktzahlen spiegelten geringere Entzündungsprozesse wider (gemessen anhand der Biomarker hsCRP und IL-6). Die deskriptiven Analysen wurden nach dem Schweregrad der Parodontitis stratifiziert. Zur Bestimmung des Zusammenhangs wurden ordinale logistische Regressionsmodelle verwendet.
Ergebnisse
Frauen mit einer schweren Form der Parodontitis wiesen signifikant höhere hsCRP und IL-6 Werte auf. Ein höherer Anti-Inflammatory Dietary Score war signifikant mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Parodontitis betroffen zu sein assoziiert. Die Regressionsanalysen zeigten einen signifikanten Zusammenhang sowohl in einem nicht adjustierten Modell (OR 0,91, 95% CI 0,85-0,97, p=0,005) als auch in einem adjustierten Modell (Alter, Rauchen) (OR 0,93, 95% CI 0,87-1,00, p=0,045).
Zusammenfassung
Unsere Studie zeigt einen signifikanten inversen Zusammenhang zwischen dem Anti-Inflammatory Dietary Score und Parodontitis bei 50 bis 78-Jährigen Frauen der HCHS. Aufgrund des entzündungshemmenden/-fördernden Potenzials von Lebensmitteln, welches Inflammationsprozesse im Körper beeinflusst, spielt die Ernährung einen wichtigen Einflussfaktor für die Mundgesundheit. Auch hormonelle Veränderungen und entzündungsfördernde Prozesse während der Wechseljahre können die Zahn- und Mundgesundheit beeinflussen. Vor diesem Hintergrund sollten neben der Beurteilung des Ernährungsmusters von Patientinnen die Zahnärzt:innen auch für den Menopausenstatus der Frauen sensibilisiert werden. Zusätzlich sollte in den Sprechstunden von gynäkologischen Praxen auch die Mundgesundheit von Frauen thematisiert werden.
