Charakterisierung endometrialer Stammzellen im Kontext der menopausalen Endometriumhyperplasie
Autoren
Dr. Martin Götte, Dr. Andreas Schüring, Dr. Nicole Schulte, Prof. Dr. Ludwig Kiesel
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Str. 33, 48149 Münster. E-mail: mgotte@uni-muenster.de
Einleitung
Die Endometriumhyperplasie ist durch eine hormonabhängige erhöhte Proliferation des Endometriums gekennzeichnet. Hormonelle Veränderungen in der Perimenopause sowie eine postmenopausale Hormontherapie können die Entstehung einer Endometriumhyperplasie begünstigen, welche einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung eines Endometriumkarzinoms darstellt (1,2). Einen bislang nur unzureichend untersuchten Faktor bei der Entstehung der Endometriumhyperplasie stellt die Rolle endometrialer Stammzellen dar. Das Konzept einer Stammzellaktivität als Grundlage der enormen regenerativen Kapazität des Endometriums während der reproduktiven Phase der Frau ist mittlerweile durch eine Vielzahl von Publikationen belegt (3). Eigene Untersuchungen konnten zeigen, dass eine erhöhte Stammzellaktivität mit dem proliferativen Potential des Endometriums und mit der Pathogenese proliferativer Erkrankungen, wie der Endometriose und des Endometriumkarzinoms verknüpft ist (4,5). Basierend auf diesen Daten postulieren wir, dass eine fehlgeleitete Stammzellfunktion zur Ätiologie der Endometriumhyperplasie im Kontext der Menopause beitragen könnte.
Fragestellung
Ziel der vorliegenden Arbeit war die Charakterisierung endometrialer Stammzellen, welche durch Pipelle-Biopsie im Rahmen der Routinedagnostik erhalten werden können, um zu überprüfen, ob diese minimalinvasive Technik zur Gewinnung multipotenter endometrialer Stammzellen als Modellsystem für experimentelle Studien zur Endometriumhyperplasie geeignet ist.
Material und Methoden: Pipelle-Biopsien wurden von 36 Patientinnen (24-44 Jahre) welche sich einer Routinediagnostik im Rahmen einer Infertilitätstherapie unterzogen, gewonnen. Endometriale Stromazellen wurden durch Immundepletion isoliert und die Expression stammzelltypischer Marker mittels quantitativer real-time PCR und Durchflusszytometrie untersucht. Differenzierungspotential und Klonierungseffizienz seriell passagierter Zellklone wurden in vitro untersucht.
Ergebnisse
Aus Pipelle-Biopsien erhaltene endometriale Stromazellklone zeigen charakteristische Stammzelleigenschaften wie Klonalität, Langzeit-Kultivierbarkeit, multipotentes Differenzierungspotential und Expression der Stammzellmarker CD146, CD73, Msi-1, Notch-1 und Sox-2.
Schlussfolgerungen
Adulte Stammzellen können aus Endometriumbiopsien im Rahmen der Routinediagnostik gewonnen werden. Diese Methodik eröffnet neue Perspektiven für Stammzell-basierte experimentelle Studien zur Bedeutung endometrialer Stammzellen für die Entstehung post- und perimenopausaler Endometriumhyperplasien.
Literatur
(1) Pinkerton JV, Goldstein SR. Menopause. 2010;17(3):642-653. (2) Furness S et al. Cochrane Database Syst Rev. 2009 Apr 15;(2):CD000402. (3) Wolf M et al. Gynäkol Endokrinol. 2009;7(3):185-189. (4) Götte M et al. J Pathol. 2008;215(3):317-329. (5) Götte M et al. Fertil Steril. 2010; Sep 16. [im Druck]
