Livia Nakhostin

Livia Nakhostin

Einfluss der Hormonersatztherapie auf das kolorektale Karzinomrisiko- eine systematische Übersichtsarbeit

Hintergrund

Die Hormonersatztherapie (HRT) gilt als die wirksamste Behandlung störender Wechseljahressymptome. Der Beginn der natürlichen Menopause mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren ist mit einem zunehmenden Risiko für nicht übertragbare Krankheiten inkl. Malignome assoziiert. Das kolorektale Karzinom (KRK) ist weltweit das zweithäufigste Malignom bei Frauen, jedoch bleibt der Einfluss einer HRT auf das KRK Risiko umstritten.

Methodik

Im Oktober 2018 wurde mittels der Datenbank Embase eine systematische Literaturrecherche durchgeführt, die ausschliesslich Artikel umfasste, welche in englischer Sprache und seit 1990 veröffentlicht wurden. Die Suche nach Stichwörtern und Emtree einschließlich Synonymen und untergeordneten Begriffen ergab schließlich 63 Artikel (55 Originalstudien und acht Meta-Analysen) zum Thema KRK.

Ergebnisse

Die Literaturrecherche ergab 1) eine entweder neutrale oder protektive Wirkung der HRT auf das Risiko der kolorektalen Adenome und KRK, 2) keine Wirkung der HRT auf die Gradierung, die Lokalisation und die histologischen Typen der Tumore, 3) keine Assoziation zwischen HRT und KRK-Mortalität und 4) heterogene Effekte der HRT auf das KRK-Tumorstadium und die Invasivität.

Diskussion

Obwohl zu klärende Fragen bestehen bleiben, zeigen die meisten Studien, dass die HRT einen neutralen oder protektiven Einfluss auf kolorektale Adenome und das KRK-Risiko und keinen Einfluss auf die KRK-Mortalität aufweist. Weitere Forschung in Bezug auf den biochemischen Mechanismus der HRT-Wirkung auf das KRK Risiko, die Möglichkeit einer für den Schutz notwendigen Schwellendauer und Unterschiede des Effekts auf das KRK nach Art der HRT sind erforderlich, um die Wirkung der HRT auf das KRK zu klären. Eine primäre Prävention des KRK mit HRT wird aktuell nach internationalen Richtlinien nicht empfohlen.