Dr. med. Marina Sourouni

Dr. med. Marina Sourouni

Einfluss von Progesteronmetaboliten auf das DCIS und Bedeutung für die postmenopausale Frau

Hintergrund

Das duktale Carcinoma in situ (DCIS) ist eine Vorläuferläsion des Mammakarzinoms. Mit zunehmendem Alter steigt das DCIS-Risiko, sodass viele Frauen in den Wechseljahren betroffen sind. Das individuelle Progressionsrisiko vom DCIS zum invasiven duktalem Carcinoma (IDC) lässt sich anhand klinischer Parameter nicht sicher abschätzen, sodass alle Patientinnen gleichermaßen behandelt werden. Dies bedeutet für manche Frauen eine Übertherapie bezüglich der onkologischen Erkrankung und aufgrund des Zusammenhangs einer Hormonersatztherapie (HRT) und dem Mammakarzinomrisiko bzw. der Empfehlung gegen eine HRT nach onkologischer Erkrankung der Mamma ein zurückhaltendes Vorgehen bezüglich einer HRT bei klimakterischen Beschwerden. Die Progesteronmetaboliten 5a-Dihydroprogesteron (5aP) und 3a-Dihydroprogesteron (3aP) zeigen krebsfördernde bzw. krebsvorbeugende Wirkungen auf Brustzelllinien. Im Brusttumorgewebe wird Progesteron eher zu 5aP metabolisiert, was die Mitogenese und Metastasierung fördert. Evidenz zum Einfluss von 5aP und 3aP auf das DCIS fehlt. Unsere Arbeit liefert erste Daten über die Rolle von den zwei Progesteronmetaboliten beim DCIS.

Methoden

Naive MCF10DCIS.com Zellen (ER/PR negativ) dienten als Kontrolle für Zellen, die mit 100 nmol (niedrige Dosis) oder 10 μmol (hohe Dosis) 5aP oder 3aP behandelt wurden. Die Zellen wurden in einem 3D-Kultursystem in einer Matrigelschicht kultiviert mit der gewünschten Menge an 5aP oder 3aP im Medium. Die mit dem tumorigenen 5aP behandelte Zellkultur wurde unter dem Konfokal- und unter dem Lichtmikroskop beobachtet, um mögliche morphologische Unterschiede aufzudecken, die auf einen Übergang von einem in-situ zu einem invasiven Phänotyp hinweisen könnten. Die ER/PR-negative invasive Zelllinie MDA-MB-231 wurde zum Vergleich untersucht. DCIS-Zellen wurden nach 5 und 12 Tagen isoliert und Proliferationsmarker (Ki67, STK15, MYBL2, CCNB1), Invasion/Metastasierungsmarker (MMP11, CTSV, COL4A2, MMP9, GPR126), anti-apoptotische (EGLN1) und andere Marker (GSTM, BAG1,TGFß,CDH1, ZEB1, ZEB2, Vimentin, TWIST2, FOXC2, TWIST1, SNAIL, SNAIL2) wurden mittels PCR untersucht nach Behandlung mit 5aP oder 3aP. Das Invasionspotential nach Behandlung mit 5aP wurde auch mit einer Detachement Assay überprüft. Als letztes wurden DCIS Zellen mit E2 behandelt, um zu prüfen, ob die Präsenz von Östrogene die Wirkung von 5aP beeinflusst.

Ergebnisse

Sowohl naive als auch Zellen, die mit 5aP behandelt wurden, bilden Sphäroide, die morphologisch gleich aussehen und keine Ähnlichkeit zu den invasiven MDA-MB-231 Sphäroiden aufweisen. Die PCR der verschiedenen Marker zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen naiven Zellen und Zellen, die mit 5aP oder 3aP behandelt wurden. Ebenso zeigte das Detachement Assay kein vermehrtes Invasionspotential nach Exposition von DCIS Zellen mit 5aP. Die Behandlung mit E2 führte nicht zu signifikanten Unterschieden der PR Expression.

Zusammenfassung

Unsere Daten deuten darauf hin, dass 5aP und 3aP die Tumorförderung/-invasion in ER/PR-negativen MCF10DCIS.com-Zellen nicht begünstigen bzw. verhindern. Da sich oral mikronisiertes Progesteron bei postmenopausalen Beschwerden als wirksam erwiesen hat, könnte eine reine Progesterontherapie als HRT für Frauen nach DCIS in Betracht gezogen werden.