Prof. Dr. med. Harald Seeger

Membran-gebundener Progesteron Rezeptor zur Voraussage eines Brustkrebsrisikos mit oder ohne HRT: Neueste Resultate aus systematischer In Vitro, In Vivo und Klinischer Forschung

Ziel

Durch Untersuchungen mit verschiedenen Brustkrebszell-Kulturen, mittels Tierversuche sowie in
Studien mit Patientinnen, die Brustkrebs erlitten, sollte festgestellt werden, inwieweit bestimmte
membran-gebundene Progesteron Rezeptoren, insbesondere „Progesteron Receptor Component 1
(PGRMC1)“, geeignet sein könnten, um
1) das Risiko unter einer Hormonbehandlung (HRT) vorauszusagen, wenn verschiedene Estrogene
und Gestagene verwendet werden, insbesondere im Vergleich zu physiologischem Progesteron, sowie
auch falls nicht-hormonale Substanzen verwendet werden
und um 2) die Prognose von Brustkrebs vorauszusagen, falls Patientinnen (mit oder ohne
Hormonbehandlung) Brustkrebs erlitten haben.
Es wird ein kurzer Überblick mit Schlussfolgerung aus den bereits einschlägig publizierten Daten
gegeben und dann aber neueste Ergebnisse aus In Vitro Forschung, tierexperimenteller Forschung und
klinischen Studien vorgestellt.

Methodik

Für die In vitro Versuche wurden verschiedene Brustkrebskulturen verwendet. Die
Tierversuche umfassten Xenotransplantate in Mäusen. Bei diesen experimentellen Untersuchungen
erfolgten verschiedene Behandlungen mit Estrogenen (Estradiol, E2, Ethinyl-Estradiol,EE, Equilenin,
EQ) allein oder kombiniert mit synthetischen Gestagenen im Vergleich mit Progesteron oder
Dydrogesteron. Die klinischen Untersuchungen wurden mittlerweile mit ca. 300 Patientinnen mit
Brustkrebs durchgeführt, die mit ca. 100 gematchten Frauen verglichen wurden, die benigne
Brustkrebserkrankungen oder keine Brustkrebserkrankungen hatten.
Resultate: In allen experimentellen Untersuchungen zeigten sich mit Estrogene allein die erwartenden
Proliferationen von Brustkrebszellen bzw. Xenotransplantaten, die signifikant stärker ausgeprägt
waren in Anwesenheit von PGRMC1 Rezeptoren. Noch stärker waren die Unterschiede ohne vs. mit
PGRMC1 bei Untersuchungen mit bestimmten Gestagenen, wobei Norethisteron (NET) die stärkste
proliferative Stimulierung zeigte. Die Proliferation war stärker im Model der kontinuierlichkombinierten
HRT im Vergleich zur sequentiell kombinierten HRT. Ein Pollenextrakt verhielt sich in
allen Konzentrationen neutral. In den Tierversuchen zeigte sich ein gesteigertes Tumorwachstum mit
NET, aber nicht mit Progesteron. Weitere nicht publizierte Daten werden wie folgt vorgestellt:
1) In Vitro Untersuchungen mit Vergleich von E2, EE und Equilin, wo sich mit EE
(überraschenderweise) eine geringere proliferative Wirkung als mit E2 (vergleichbar mit EQ) zeigte,
sowie neue Daten mit Chlormadinonacetat (CMA), die vermuten lassen dass ein primär erhöhtes
Brustkrebsrisiko gering ist oder nicht besteht, aber auch dieses Gestagen nach Brustkrebs nicht
verwendet werden sollte. 2) Neue Tierversuche zeigen, dass auch Dydrogesteron weitgehend
brustneutral ist im direkten Vergleich mit NET. 3) Vorgestellt werden auch (noch nicht publizierte)
klinische Studien, die erstmals Bestimmungen von PGRMC1 nicht nur im Brustkrebsgewebe, sondern
auch im Blut zeigen. PGRMC1 zeigt sich korrelierbar korrelierbar mit der Prognose von Brustkrebs
gemessen anhand bekannter prognostischer klinischer Parameter!

Schlussfolgerung

In unserem Forschungsprogramm zeigt sich PGRMC1 als prädiktiver Marker für
das Risiko von Brustkrebs, falls eine HRT mit bestimmten Gestagenen durchgeführt wird und kann
bei Expression im Brustgewebe oder Messung als Marker im Blut für die Prognose des Brustkrebs
dienen. Vorhandensein dieses Rezeptors ist korrelierbar mit bekannten Parametern, die eine schlechte
Prognose voraussagen, wie Tumorgröße, Lymphknotenstatus, „Overall-“ bzw. „Poor Disease“-
Survival, wobei sich PGRMC1 als prädiktiver Marker vergleichbar oder eher besser als Tumormarker
wie z.B. Ki67 verhält.